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Tagebuch eines Atoms (2025).
Erschienen im Knapp Verlag, Olten. 166 Seiten; gebunden. ISBN 978-3-907334-43-0
Es geht in diesem Roman um zwei Menschen, Magda eine alte Frau und Béla ein junger Mann, zwei Aussenseiter aus Überzeugung, deren einsame Bahnen im Fahrstuhl eines Hochhauses kollidieren.
Eine alte Frau lässt ihr bisheriges Leben hinter sich, taucht unter und zieht unter falschem Namen in ein anonymes Hochhaus. Magda Wertenberg, wie sie sich nennt, sucht die Freiheit, jeden Tag ein anderer Mensch zu sein, unkontrolliert und allein. Magda liebt Zahlen, sie beeinflussen ihren Alltag, erfreuen und ekeln sie. Sie vergleicht sich mit dem Element Argon, einem Edelgas, das keine Verbindungen eingeht. Das Haus, ein heruntergekommener Bau aus den 70er Jahren, hat sie ausgesucht, weil der Müllschlucker sie davor befreit, in Kontakt mit den Mitbewohnern zu kommen. Ihre neue Wohnung ist vollkommen weiss und perfekt unpersönlich eingerichtet. Magdas neues Leben ist geprägt von Lust und Fröhlichkeit, aber auch von Verletzlichkeit, Scheitern mit tragikomischen Momenten. Schon bald aber kollidiert ihre Lebensbahn mit derjenigen der anderen Bewohner des Hauses, der Müllschlucker ist ausser Betrieb und sie muss Fahrstuhl fahren.
In dem Hochhaus wohnt auch Béla, 16 Jahre alt, Aussenseiter, Loser aus Überzeugung und Anarchist. Er hasst Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Anpassungsdruck, steht im heftigen Konflikt mit seiner alleinerziehenden Muter und mit dem Schulsystem. Béla muss eine Lehrstelle finden, kann und will sich aber nicht verkaufen, verbiegen und seine politischen Haltungen verleugnen. Sein grösster Wunsch ist eine Reise nach Paris. Er sehnt sich danach, auf den Spuren der Commune durch die Strassen von Paris zu streifen. Die Commune de Paris hat im Jahr 1871 zwei Monate und zehn Tage lang Bélas Ideal der Gleichberechtigung unter allen Menschen und seine Utopie einer anarchistischen Gemeinschaft verwirklicht. Die beiden Lebensbahnen kollidieren und führen zu einer dramatischen Wende.
Und da gibt es auch noch Mister Scratch-Höllenhund, einen hässlichen Köter, der niemals mehr als Handtasche behandelt werden will.
«Tagebuch eines Atoms» erzählt Ausschnitte aus dem wahren Leben. In präzisem Satzbau und präziser Wortwahl treffen die Welten der alten Frau und des jungen Mannes aufeinander. Magda und Béla haben je ihre eigene Sprache, die weder künstlich noch überzeichnet ist. So sprechen wirkliche Menschen. Ein Buch darüber, wie sich die Figuren in den Wirrnissen des Lebens verlieren – und (zum Glück) ab und an wieder finden.
Raphael Zehnder, Autor und Radiojournalist
Leseprobe «Tagebuch eines Atoms»
Magda
Der Schlüssel fühlt sich kühl an. Geschmeidig, glatt. Meine Fingerkuppen gleiten über die Kanten und Vertiefungen, die abgerundete Perfektion, die unbenutzte, unbeschädigte glänzende Oberfläche. Neu. Heute beginnt mein neues Leben. Das ist schlecht formuliert, tönt nach guten Vorsätzen, Lebensstiländerungen. Aber es geht nicht darum, mit Rauchen aufzuhören oder mehr Sport zu treiben. Ab heute bin ich ein neuer Mensch, ein Niemand, ein leeres Blatt. Ich bin Magda, eine alte Frau, die keiner kennt, die man nicht sieht, die keinen interessiert.
Nur ich. Für mich allein.
Ich stehe vor meinem neuen Wohnort, nicht vor meinem neuen Haus und auch nicht vor meinem neuen Heim. Dieser Block mit seinen 21 Stockwerken, vier pro Etage, zuoberst bloss zwei, also insgesamt 82 Wohnungen, soll meine Zuflucht sein, kein Heim. 82 ist eine gute Zahl. Meine 3-Zimmer-Wohnung befindet sich im 9. Stock. Auch das gute Zahlen, die sich harmonisch zueinander verhalten, die 3 und ihre Quadratzahl. Auf meinem Hausschlüssel ist die Zahl 11236284 eingeprägt. Wenn man die eins an zweiter Stelle und die acht an zweitletzter Stelle (perfekte Symmetrie!) streicht, bleibt eine Kombination aus der Zwölfer-Reihe, 12 36 24. Dazu 18, addiert man die beiden Zahlen, erhält man die 9, also mein Stockwerk. Alles fügt sich in Harmonie.
Ein grauer, windiger Tag, aber ich friere nicht, ich fühle die Energie des Neuanfangs. Alles um mich herum wirkt grob, vernachlässigt, aber massiv. Links und rechts schwere Betonpfeiler, unter meinen Füssen dunkelgrau gemusterte Steinplatten, vor mir die Glastüre. Der Block wurde in den 80er Jahren gebaut, fantasielos funktional. Hier gibt es keine Begegnungszonen, kein jährliches Garten-Grill-Fest mit Willkommens-Apéro, keine partizipativen Mitbewohner-Versammlungen, kein gar nichts. Darauf habe ich geachtet.
Claire Brubacher Leibwächterin des Königs (2025).
Text: Nicole Bachmann; Illustrationen: Dorian Iten
Ein illustrierter Abenteuerroman für Menschen ab 8 Jahren in 13 Kapiteln.
Im Mittelpunkt des Romans steht die Entwicklung von Claire Brubacher, die sich im Verlauf der Geschichte von einem schüchternen, aber willensstarken und störrischen Mädchen in einen Menschen verwandelt, der seinen eigenen Weg gefunden hat. Claire lehnt sich gegen die herrschenden Normen auf, vertraut ihrer Intuition und folgt alleine ihrem eigenen Gewissen. Sie ist mutig, manchmal trotzig, aber oft auch voller Angst und Selbstzweifel. Von besonderer Bedeutung für die Geschichte sind die Freundschaften zwischen Claire, Tara und Tibor, sowie die spezielle, oft auch spannungsgeladene Beziehung, die Claire zu der alten Lumpenfrau Andraina lebt.
Nicole Bachmann (Text) und Dorian Iten (Illustrationen) haben zusammen einen illustrierten Abenteuerroman in 13 Kapiteln erschaffen, der in einem fiktiven Land Europas im frühen 18. Jahrhundert angesiedelt ist. Dieser Roman gibt Einblick in das Alltagsleben in dieser Zeit basierend auf Recherchen zur Sozialgeschichte Europas, zur Soziologie von absolutistisch regierten Gesellschaften (Norbert Elias) und dem Leben an einem Königshof dieser Zeit.
Claire wächst in einem kleinen Bauerndorf im Johannstal im Land Arras auf. Ihre Familie ist bitterarm, ihre Eltern streiten sich täglich und Claire sieht in ihrer Heimat keine Zukunft für sich. Da erfährt sie, dass der König von Arras neue Leibwächter sucht und zwar, einer alten Tradition folgend, Frauen und Männer. Wer mindestens zwölf Jahre alt, mutig und tüchtig ist, darf an einem Wettbewerb im Schloss Nanterre teilnehmen. Das Buch zeichnet sich durch die historisch informierte spannende Geschichte, die klare Sprache und die detailgetreuen, ausdrucksstarken Illustrationen aus. Das Buch eignet sich für Kinder ab 8 Jahren, für Jugendliche und auch für Erwachsene. Text und Illustrationen wurden gleichzeitig und in einem dynamischen Austausch entwickelt, was für beide Parteien mit überraschenden und fruchtbaren Entwicklungen verbunden war. So hat die Autorin beispielsweise in einem Portrait des Bogenmeisters Barrato von Sierentz Charakterzüge entdeckt, die ihr bis anhin unbekannt waren.
Im Verlauf der Geschichte werden die Geschlechterrollen hinterfragt. Der Kontrast von Arm und Reich zieht sich ebenfalls als wiederkehrendes Thema durch die ganze Geschichte. Aber auch Sein und Schein am Königshof spielen eine – oft witzige – Rolle. Der König, der weder nur gut noch ganz böse ist, verfügt über grosse Macht, ist gleichzeitig aber auch in einer Rolle gefangen, die ihm oft lästig ist. Witzige Details, eigenwillige glaubwürdige Personen mit Tiefgang. Die Geschichte lebt von witzigen Details, dem kritischen Blick auf ein Königreich, das auf Kosten seiner Untertanen einen exzessiven Luxus lebt und der Spannung, die durch das Miterleben der Prüfungen, die Claire bestehen muss, entsteht. Aber besonders lebt sie von den dargestellten Personen, die nicht klischiert wirken und ein Eigenleben entfalten. Dies trifft auch auf die «Nebenrollen» zu, wie z. B. der Falknerin Angèle oder dem Tanz- und Ritualmeister, Komponisten und Musiker Jean-Louis Duport.
Das Buch ist jetzt auch im Buchhandel erhältlich ( ISBN: 978-3-033-09797-1) oder direkt bei der Autorin bestellbar (mit persönlicher Widmung) unter: nicole.bachmann@bachmannkrimis.ch
Willst Du / wollen Sie mehr über «Claire Brubacher – Leibwächterin des Königs» erfahren?
Hier geht’s zur: Leseprobe Claire
Und hier findest du / finden Sie Informationen zur Enstehung des Buchprojekts, zur Geschichte und zum Künstler Dorian Iten unter clairebruebacher.com
Über Anfragen für Lesungen freue ich mich immer! Wir (Nicole Bachmann und Dorian Iten) sind auch gerne bereit, eine Lesung mit Illustrations-Workshop zu kombinieren.
Wir danken dem Kanton Zug, dem Kanton Graubünden und der Gemeinde Köniz für die finanzielle Unterstützung. Und allen Menschen, die unser Crowdfunding auf wemakeit unterstützt haben!
Schöner Sterben in Bern. Lou Becks fünfter Fall. emons-Verlag (2021).
In Lou Becks fünftem Fall geht es um Menschen, die sterben wollen und um solche, die bereit sind, jeden Preis zu zahlen, um weiterleben zu können. Und es geht um eine Tochter, die sich auf die Suche nach ihrer spurlos verschwundenen Mutter macht und dabei auf ein grauenhaftes Geschäftsmodell stösst. Der Roman beschäftigt sich mit realen Abgründen der heutigen Medizin, wie immer aufwändig recherchiert und spannend erzählt.
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Handlungsorte diesmal: Bern, Bielersee in der Nacht, eine psychiatrische Klinik auf dem Land. Die Uhr auf dem Cover … kommt sie Ihnen bekannt vor?
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Ein gellender Schrei liess mich erstarren. Mutter! Ich warf mich voller Angst herum. Aber sie war nicht nur unverletzt, sie griff an. «Mengele! Nazi-Schwein!», meinte ich zu hören, während sie mit dem Mann zusammenprallte und die beiden zu Boden gingen.
Und so beginnt der Roman:
Meine Augen drohten zuzufallen. Mitten im Gehen. Ich liess den Kopf hängen, schaute auf den Boden vor meinen Füssen, setzte wie ein Automat Fuss vor Fuss. Fuss vor Fuss. Rechts vom Kiesweg wuchsen Blumen, rote, blaue, gelbe Blumen.
„Stiefmütterli“, sagte meine Mutter.
Ich wollte mich hinlegen, neben diese Blumen legen, schlafen, bloss ein paar Minuten schlafen. Aber wir mussten weiter, mussten unbedingt weiter. Ich schloss einen Moment die Augen, nur kurz …
«Gehen wir jetzt nach Hause?», fragte meine Mutter.
Sie sprach etwas weniger langsam und undeutlich, aber immer noch, als ob sie das Sprechen verlernt hätte, bei jedem Wort überlegen müsste, wie die Laute geformt werden. Sie schlurfte mit kleinen Schritten neben mir her, der ganze Körper steif wie ein Roboter, die Arme seitlich angedrückt. Aber sie hatte mich erkannt, redetet mit mir.
Ich riss die Augen wieder auf. Wir mussten hier raus, so schnell wie möglich. Ich musste sie in Sicherheit bringen. Mutter blieb stehen. Ich zog sie am Arm weiter. Es fühlte sich an, als ob ich durch dickflüssigen Sirup waten würde.
«Dort vorne geht es nach Hause. Komm mit, du wirst sehen», sagte ich.
Wir gingen weiter, Schritt für Schritt, während ein überwältigendes Gewicht mich zu Boden drückte. Ich meinte zu spüren, wie der Antagonist seine Wirkung von Sekunde zu Sekunde mehr verlor und das Barbiturat den Kampf gewann. Eine Dosis, die ein Pferd einschläfern würde, hatte die Pflegerin gesagt und fröhlich gelächelt dabei. Ich würde es nicht mehr lange schaffen, wach zu bleiben. Ich hatte zu viel Zeit verloren. Verzweiflung riss mich hoch, gab mir die Energie, meine Augen aufzureissen. Wir mussten weg von der Klinik, so weit wie möglich weg, uns verstecken, raus aus diesem Park. Ich spürte Tausend Blicke auf meinem Rücken, während wir uns ungeschützt über den offenen Rasen bewegten. Schon bald würden sie bemerken, dass wir weg waren, würden uns suchen und zurückbringen. Ich hatte noch immer keine Ahnung weshalb, aber innerhalb dieser Mauern waren wir in tödlicher Gefahr.
Weites Land. Lou Becks vierter Fall. emons-Verlag (2018, 240 Seiten).
Im Westen Kanadas sterben die Mitglieder eines kleinen First-Nation-Volkes an einer rätselhaften Krankheit. Lou Beck reist nach Fort Fraser, um ihren Geliebten Philipp Laval zu unterstützen, der im Auftrag von Health Canada für die Planung von Gesundheitsprogrammen für die Ureinwohner verantwortlich ist. Philipp wird dabei mit seinen eigenen Wurzeln bei den kanadischen Cree konfrontiert und stürzt in eine tiefe Krise. Lou und Philipp werden in Fort Fraser mit Misstrauen und Feindseligkeit empfangen. Schnell erhärtet sich der Verdacht, dass der Ausbruch der lebensgefährlichen Krankheit bei den Stellat’en mit dem Widerstand der First Nations gegen den Bau einer Öl-Pipeline zusammenhängt.
Das wunderbare Cover-Foto des Buches mit dem auffliegenden Uhu stammt übrigens von Andy Iten.
«Kanada, das ist unberührte Natur – Wildnis, Einsamkeit und unendliche Wälder mit Bären drin. Für viele Leute ein Sehnsuchtsort, zumal Kanada auch noch als besonders liberales Land gilt. „Weites Land“, so der Titel eines Kriminalromans der Schweizer Wissenschaftlerin und Autorin Nicole Bachmann, räumt mit diesen Vorurteilen gründlich auf. Ein bisschen unberührte Natur und ein Bär kommen in der Geschichte auch noch vor. Aber die größte Stärke des Buches ist der komplexe Umgang mit Gegenwart und Vergangenheit der indigenen Völker in Kanada. Mit Armut, Alkoholismus, Missbrauch und einem kollektiven Umerziehungstrauma…»
Erla Bartmann, B5-Kulturnachrichten, Bayrischer Rundfunk, 2. Mai 2018.
Endstation Bern. Lou Becks dritter Fall. emons-Verlag (August 2014, 302 Seiten).
Ein Mörder geht um in Bern. Die Opfer sind alle männlich, stammen aus dem Ausland, wurden nach ihrem Tod nackt ausgezogen und mit weisser Farbe beschmiert. Der Schauplatz der Verbrechen ist Ausserholligen, bekannt als ein sozialer „Hotspot“ Berns. Ein rechter Politiker nutzt die Gunst der Stunde und schürt den Fremdenhass. Lou Beck, Epidemiologin im Privatspital Walmont, störrisch und gefährlich neugierig, stösst auf eine alte Krankheit, die in neuer tödlicher Form wieder aufgetaucht ist. Auf der Suche nach der Quelle der gefährlichen Krankheit trifft sie auf eine Gruppe von Sans-Papiers, die im Berner Untergrund leben. Zusammen mit ihrer Freundin Helga Sommer, einer Hebamme, und Holger Grimm, Kinderarzt am Walmont, versucht Lou den Menschen zu helfen. Da verschwindet Holger und Lou ahnt, dass er in höchster Gefahr schwebt. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt.
Inzidenz. Lou Becks zweiter Fall. salis-Verlag, 2011, 393 Seiten.
LEIDER VERGRIFFEN: Doppelblind. Lou Becks erster Fall. salis-Verlag, 2008. 224 Seiten.
Lou, eigentlich Dr. Louisa Beck, Epidemiologin, Mitte dreissig, Single, stur und gefährlich neugierig, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im städtischen Privatspital Walmont. Während einer Routineanalyse der Patientendaten stösst sie auf eine massiv erhöhte Sterblichkeitsrate – und schlittert wegen ihres Gerechtigkeitssinns und ihrer Hartnäckigkeit wider Willen mitten in einen mörderischen Skandal.
»Gute Thriller im Krankenhausmilieu gibt es durchaus den einen oder anderen – man denke nur an Robin Cook oder Peter Clement – aber was diese Newcomerin aus der Schweiz abgeliefert hat, das ist mehr als achtbar: Atemberaubend und spannend bis zum Schluss, überdies ausgesprochen informativ in Punkto klinische Studien.« krimi-forum.de



